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Oskar Schmid

 

Wie bist du zu ArrivalAid gekommen?

Das war 2015/16. Da war ja die „Flüchtlingskrise“. Dieses Wort gefällt mir nicht. Da sind ja so viele Flüchtlinge gekommen. Und es war klar, dass es eine große Geschichte eigentlich schon ist und sicher wird. Und dann habe ich überlegt, wie kann ich mich einbringen? Was kann ich machen? Ich weiß nicht mehr wie, aber ich bin dann auf ArrivalAid gestoßen. Und damals war ja noch nur die Anhörungsberatung und Anhörungsbegleitung. Und ich fand das eine super tolle Geschichte, wo ich mir gut vorstellen konnte, aktiv zu werden. Dass mir das liegt. Ich habe dann auch den Eindruck gehabt, an der richtigen Stelle zu stehen.

War das dein erstes Ehrenamt?

Nein, ich hatte schon unzählige. Ich habe gerade nochmal überlegt. Ich glaube ich war bei der zweiten Schulung Anfang 2016 erst dabei. Bei der ersten hat es terminlich nicht geklappt.

Wie viele Stunden pro Woche engagierst du dich?

Das ist total schwer zu sagen, weil ich das nicht aufschreibe. Ich würde mal sagen so bestimmt 5 Stunden pro Woche.

Hast du dich aktiv für ArrivalAid entschieden?

Ich bin durch Zufall auf ArrivalAid gestoßen und als ich dann gelesen habe worum es geht, war für mich die Entscheidung klar. Da musste ich nicht lange nachdenken.

Wusstest du genau, was du ehrenamtlich machen wolltest?

Nein, ich wusste das nicht genau. Aber als ich das Angebot gesehen habe, war mir klar, dass das eine ganz tolle Möglichkeit für mich ist.

Würdest du anderen empfehlen, sich bei ArrivalAid zu engagieren?

Jederzeit. Ich bin nur nicht so ein begnadeter Überreder. Ich kann aber ArrivalAid nur jedem herzlich weiterempfehlen. Als Verein, bei dem man sich engagieren kann, bei dem man auch viel Freiheit hat. Wo man im Prinzip allein schauen muss, wie man klarkommt, aber gleichzeitig im Rücken immer die Organisation hat. Ich finde es toll, so zu arbeiten.

Würdest du ehrenamtliches Engagement generell empfehlen?

Ja jederzeit! Nur Beruf und Selbstverwirklichung, da fehlt noch etwas. Und es ist gar nicht so altruistisch wie man sich das vorstellt – das bringt einem auch was. Und wenn ich mir jetzt überlege: Die ganzen Flüchtlinge, mit denen ich jetzt zu tun habe. Auf eine Art sind das Freundschaften. Das sind oft ganz tolle Beziehungen, die über Jahre gehen.

Das ist bei ArrivalAid ja auch so gewesen, nach der Anhörungsberatung kam die Klageberatung und dann kam die Integrationsberatung. Ich habe an den Ausbildungen jetzt nicht formal teilgenommen, mache das aber ganz automatisch. Und laufe mit. Die Flüchtlinge rufen mich an, wenn sie Briefe vom BAMF oder vom Gericht bekommen. Und dann gehe ich mit zum Anwalt, weil der oft auch nicht nur aufgrund der Protokolle entscheidet.

Bedeutet das, dass dein Engagement über die reine Anhörungsvorbereitung hinausgeht?

Ja, bei mir definitiv.

Hast du ein Erlebnis, das dir bei deiner ehrenamtlichen Arbeit besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es gibt einfach oft bei Anhörungen wahnsinnig tolle Konstellationen mit den Anhörern. Die können ja extrem krätzig sein. Aber dann am nächsten Tag gibt es einen, der einfach normal ist. Und sowas finde ich total aufbauend, wenn man sieht, wie normal sowas sein kann. Dass da jemand hockt, der sich mit dem Fall schon einmal ausführlich befasst hat. Das ist natürlich eine Hilfe, wenn man sich darauf einlässt.

Ich mache das so, dass ich dem Anhörer nicht reinrede und nicht im Handwerk rumpfusche, nur wenn ich sehe, dass Irrtümer passieren. Und es passieren viele Irrtümer bei Anhörungen, die überhaupt nicht böse gemeint sind. Und die man einfach genau dann merkt, wenn man den Fall schon einmal gehört hat. Und dann schätzen die Anhörer das auch. Wenn sie feststellen, dass das nicht einer ist, der ständig reinquatscht, dann schätzen die das.

Und natürlich gibt es auch negative Ereignisse, aber denen will ich gar keinen Platz geben.